Ich muss circa 13 Jahr alt gewesen sein als ich bemerkte, oder besser gesagt als mir bewusst wurde, das die Welt da draußen nicht meine sein kann. Mit meinen Mitmenschen kam ich immer schlechter klar und auf unsere Kinderdisco hatte ich keinen Bock. Ich interessierte mich nicht dafür ein weißes Hemd glatt gebügelt zu tragen und den Mädels zu imponieren. So saß ich meist mit meinen Großeltern am Wochenende vorm Fernseher und guckten -Wetten Das- oder -Aktenzeichen XY ungelöst-. Dann kam die große Wende, in unserem Dorf zog ein Punk! Ja noch so richtig mit Iro und so. Immer wenn ich Richtung Bahnhof ging begegneten wir uns und ich hörte diese wilde Musik aus seinem Kopfhörer den er immer trug.
Ein paar Monate später fuhr ich mit einer Jugendgruppe in den Urlaub und hatte auf meinem Zimmer jemanden, der ständig ebenso wilde Musik hörte wie der Held aus unserem Dorf. Ich wurde immer neugieriger auf den Sound und leite mir die ein oder andere Kassette von ihm aus. Beim ersten hören taten mir die Ohren weh, so etwas habe ich noch nie gehört und hatte meinen Mühe überhaupt ein Konzept in dem Krach zu sehen. Für mich stand im Vordergrund die Provokation die ich mit diesem Sound bei einigen Menschen erreichte. Es sollte der Soundtrack meines Leben werden.
Ein paar Wochen später besorgte mir ein Kumpel über den Bruder des Punks zwei Platten, es wahr die erste Dead Kennedys und die Sex Pistols L.P. Als ich zu Hause war, zog ich mir die beiden Alben sofort auf Tape und hörte sie von nun Tag und Nacht. Später entdecke ich den ersten Plattenladen in Düsseldorf in dem man Punkplatten kaufen konnte. Von diesem Zeitpunkt an bekam ich durch Fanzines und Flyer einen immer größeren Einblick über die sogenannte Szene. Mit meine Freunden fuhr ich viel Skateboard in unserem Dorf und auch das war für uns ein kleines Stück Freiheit in einer Welt die wir gar nicht so lustig fanden. Viele Anwohner beschwerten sich über den Krach und denke mal das viele von den Idioten heute mit ihren Kindern Rollerblade fahren.
Okay, unser Soundtrack wurde genau wie unser Leben immer wilder. Vom drei Akkordpunk hatten wir schnelle die Schnauze voll und überhaupt schien dieses No Future Ding nicht so recht zu uns zu passen. Dafür ging es uns viel zu gut! Aber trotzdem muss man sich dann immer noch nicht mit all den bekloppten Menschen da draußen abgeben. Wir suchten uns eine eigene Familie, eine Gruppe von Menschen die sich zusammen getan hatten um sich ein lebenswertes leben zu schaffen. Durch die in Süddeutschland ansässigen X-Mist Record, stieß ich dann auf Platten wie die Spermbirds und deren Kollegen .Bands die sich von dem Punkklischee absetzten und hier in Deutschland eine Musikrichtung mitbegründeten die man Hardcore nannte. Langsam fuhr man auf Konzerte und weitere Freunde kamen und gingen…
Irgendwann fing ich dann selber an Musik zu machen, als ich an den Punkt gelangte als die meisten Bands da draußen nicht mehr das geben konnten was ich hören wollte. Die ersten eigenen Konzerte gaben mir Einblicke in die Szene die mir nicht gefielen. Wir mussten uns mit intoleranten Edgern herum schlagen oder uns mit irgendwelchen P.C. Jüngern schwachsinnige Diskussionen geben. Das was Hardcore war, meine Familie, spaltete sich immer mehr. Die Leute die vor ein paar Wochen noch die größten Freunde waren, wurden schnell zu Feinden, wenn sie nicht mehr die gleichen Vorstellungen von ihrer Szenen hatten. Ich wahr immer froh gewesen, das wir uns nie über Punk und Hardcore kennen lehrten, sondern vorher schon Freunde wahren. So können wir uns heute auch noch in die Augen schauen auch wenn wir auf unterschiedlicher Musik stehen.
Wenn ich mal überlege wie intolerant wir gewesen sind. Wir hatten sicherlich all unsere Metall Phase, jedoch durfte eine echt Hardcoreband niemals ein Solo oder „echte“ Punkelemente beinhalten. Dann hatten sie sich schon verraten. Über den Tellerrand schauten wir erst viel später, als wir begriffen das es auch noch viel andere coole alternative Musik gab. (Ska/Oi usw.) Auch wenn ich an die ganze Straight edge Szenen denke, bin ich froh das ich mit dieser nie näher etwas zu tun hatte. Wenn ich mal zufällig auf einem deren Konzerte war, fühlte ich mich nie wohl. Es kam mir vor als wenn dort oben Mama und Pappa standen und mir sagten was ich zu tun und lassen hätte. Vor allem denke ich, das Minior Threath mit ihren Texten sich nur von den ganzen besoffenen Idioten absetzten wollten und zeigen das es auch anderes ginge. Später kam von einigen Spezialisten eine gewisse Militanz hinzu welche weitere Spaltungen im Hardcore sorgte. Wenn ich heutigen Edgern erzähle das früher auf Youth of Today Konzerten oft Metalltypen abhingen, des öfteren Werbung von denen im Metallmagazin war und sich der Sänger von Gorilla Bisquits gerne mal bei einem guten Essen ein Glas Wein gönnte oder ab und an Angeln ging, dann will das heute keiner wahr haben! Ich glaube, das ich mit meinem, ab und an mal ein Bier trinken Einstellung, aber ständig wach und vor allem selbständig lebend, oft mehr Straight Edge wahr und bin als einige Spinner! Okay es gibt zum Glück auch hier Ausnahmen…
Uns hat nie interessiert ob eine Band von der Ost oder Westküste Amerikas, ob es nun der Cleavelandstyle oder alte Bostonschule war. Scheißegal, wir haben das gehört was gut war und richtig krachte. Heute ist das alles genauso festgefahren wie die Klamotten die getragen werden. Da sind wir nun auch schon bei dem nächsten Thema. Früher war es einfach Scheiß egal wie man aussah, dann kam jedoch der große Einbruch. Hardcore kam durch seine wachsende Größe nun auch immer bei mehr Menschen unter, die es rein gar nicht nötig hatten rebellisch zu sein. Teure Markenklamotten wurden ein Muss. Nun sind es alte Bandshirts aus den Achtzigern die für viel Geld auf Ebay ersteigert werden. Was soll das? Ihr wahrt nicht dabei und schaut doch bitte nach vorne! Jede Zeit bringt Bands mit sich die unterstützendwert sind!
Dann kam Mitte der Neunziger ein völlig neuer Sound auf, der Emocore. Nein ich meine nicht den Popkram der heute überall läuft, sondern richtig schön verzweifelte Texte mit meist geschrieen von recht aggressiver Musik getragen wurden. Zur dieser Zeit passierte auch hier in Deutschland wieder etwas. Die Leute wurden Aktive und so etwas wie ein Underground war zu spüren. Die meisten Bands brachten ein zwei 7inches auf um dann wieder mit neuen Impulsen in einer anderen Besetzung und neuem Namen weiter zu spielen. Diese Zeit war für mich noch mal ein letztes Aufbäumen vor der großen Stille. Vielleicht habe ich heute einen viel zu großen Abstand zu dem was Hardcore ist oder sein sollte. Ich kaufe mir meist Platten von Bands die ich schon seit Jahren kennen und habe kaum noch Lust etwas neues zu entdecken. Seien wir doch mal ehrlich, wenn überhaupt kommt pro Jahr nur einen Platte heraus die man wirklich braucht und bedeutend ist. Ich meine eine Scheibe in die man sich so richtig verliebt und man immer wieder auflegen möchte. Ein Sound der sich in den Gehörgängen festfrisst. Dann kommen meist wieder nur weitere Kopien. Durch das Internet sind fast alle guten Fanzines verloren gegangen und die Heros von gestern sind die Penner von Morgen…
Heute nehme ich die ganze Sache einfach nicht mehr so ernst und siehe da, es macht wieder viel mehr Spaß! Bin ja mal gespannt wie sich die Sache Hardcore weiterentwickelt und wie ich in ein paar Jahren darüber denke……………
Durchde
Schlagworte: Hardcore