Bereits auf ihrem zweiten Album „Unorthodox“ hatten Edge Of Sanity mit ihrem anspruchsvollen, melodischen Death Metal angedeutet, welches Potential in ihnen steckt. Auf dem Drittwerk „The Spectral Sorrows“ ist es ihnen gelungen, dieses Potential auch völlig zu entfalten.
Die ersten vier Songs (nach dem Instrumetal-Intro / Titeltrack) sind allesamt auf höchster Qualitätsstufe, angefangen beim flotten „Darkday“ über das brutale „Livin’ Hell“ zur Hymne „Lost“ und das geniale „The Masque“ (mein Favorit!). Es folgt eine recht nette Version vom Manowar’s (!) „Blood Of My Enemies“, die allerdings (natürlich) nicht die Majestät des Originals erreicht und ruhig etwas flotter hätte ausfallen dürfen. „Jesus Cries“ (mit Bonbon für Sadisten / Satanisten: Hammerschläge und Gekreische), „Across The Fields Of Forever“ und „On The Other Side“ setzen den hohen Qualitätsstandard ein wenig niedriger fort, bevor mit dem gelungenen Gothic/Wave-Song „Sacrificed“ die nächste Überraschung folgt. Macht sich trotz des Stilwechsels wirklich gut. „Waiting To Die“ und „Feedin’ The Charlatan“ (mit Leadvocals von Gitarrist Dread) sind dann nicht mehr ganz so stark, als Abschluss gibt’s mit „A Serenade For The Dead“ noch ein Instrumental-Outro.
Besonders hervorzuheben wäre noch die fette Produktion, aus der leider die Snare unangenehm heraussticht. Da die Band selbst die Knöpfchen in der Hand hatte, dürfte Dan Swanö hier maßgeblichen Einfluss gehabt haben.
Alles in allem ein bärenstarkes Album, das bei gleichbleibendem Level (der ersten 4-6 Songs) das Zeug zum Klassiker hätte.
Spearhead24
Wie bereits im Review zu Malevolent Creation’s „Stillborn“ erwähnt, zockten bei dieser Combo aus Miami, Florida (nicht zu verwechseln, es gibt / gab (?) auch eine gleichnamige Band aus Europa) die im gleichen Jahr (1992) auch bei M.C. auftretenden Rob Barrett und Alex Marquez. Und diese Namen bürgen hierbei für Qualität! Geboten wird feinster, hasserfüllter Florida-(Death)-Thrash mit Hardcore-Einflüssen (denen man u. a. mit dem gelungenen Cover von Carnivore’s „S.M.D.“ Tribut zollt). Angetrieben vom Marquez’ unvergleichlichem Drumming (mit dem er auch Resurrection’s „Embalmed Existence“ veredelte) und Barrett’s aggressiven Vocals hauen die Amis der geneigten Hörerschaft neun akkustische Dreschflegel um die Ohren, meist im oberen Tempobereich angesiedelt, allerdings niemals zu stumpf drauflosbolzend, sondern stets mit geschickt eingestreuten Variationen und Moshparts. Tracks wie z. B. „Cleansed of Impurity“ oder „Survival Reaction“ sind Hassgeschosse erster Kajüte. Kein Wunder, wenn man sich die Thanx-Liste der Einflüsse im Booklet betrachtet (u. a. Slayer, Possessed, Exodus, Terrorizer etc.)
Mal wieder eines dieser Alben, bei dem man sich nicht von der Tracklist auf dem Backcover irreleiten lassen sollte. Denn während man nach dem Klavier-Intro von „Vassago“ eigentlich auf einen naheliegenden (d. h. furiosen) Beginn wartet, wird dieser Eingangstrack erst mal unerwartet doomig fortgeführt, und auch hinter dem folgenden „Forewarning“ verbirgt sich ein weiteres (kurzes) Intro. Dann endlich bricht mit Track Nr. 3 die eigentlich erwartete Hölle über den mittlerweile ungeduldig mit den Fingern auf dem Tisch trommelden Hörer herein. Und wie! Mit „Extinction Level Event“ und den folgenden „Failed Extraction“ und „Deadly Deception“ gibt’s drei gnadenlose Death Metal-Bretter um die Ohren, die sich gewaschen haben, ehe es (mit dem Beginn von) „Fleshcraft“ mal eine merkliche (kurze) Verschnaufpause gibt (hält nicht lange!).
Standen Destruction beim Erstellen des Vorgänger-Werkes „All Hell Breaks Loose“ noch unter dem Druck, sich nach der langen „Pause“ (d. h. vor der Reunion im 2/3-Classic-LineUp) erstmal wieder beweisen zu müssen, dürfte das bei „The Antichrist“ eine weitgehend entspanntere Angelegenheit geworden sein. Nach diversen gelungenen Comeback-Shows konnten sich Schmier & Co. ihrer Sache bedeutend sicherer sein, und das hat dem Album sichtlich gut getan. Auch wenn manch einer im Nachgang „All Hell…“ herunterspielen mag, war es kein schwaches Album, „The Antichrist“ präsentiert halt eine wesentlich besser eingespielte Band mit verbessertem Songwriting.
„Musik aus dem blauen Kellergewölbe“