Weblog-Archiv für 19. November 2006

Edge Of Sanity -The Spectral Sorrows-

November 19, 2006



Bereits auf ihrem zweiten Album „Unorthodox“ hatten Edge Of Sanity mit ihrem anspruchsvollen, melodischen Death Metal angedeutet, welches Potential in ihnen steckt. Auf dem Drittwerk „The Spectral Sorrows“ ist es ihnen gelungen, dieses Potential auch völlig zu entfalten.

Die ersten vier Songs (nach dem Instrumetal-Intro / Titeltrack) sind allesamt auf höchster Qualitätsstufe, angefangen beim flotten „Darkday“ über das brutale „Livin’ Hell“ zur Hymne „Lost“ und das geniale „The Masque“ (mein Favorit!). Es folgt eine recht nette Version vom Manowar’s (!) „Blood Of My Enemies“, die allerdings (natürlich) nicht die Majestät des Originals erreicht und ruhig etwas flotter hätte ausfallen dürfen. „Jesus Cries“ (mit Bonbon für Sadisten / Satanisten: Hammerschläge und Gekreische), „Across The Fields Of Forever“ und „On The Other Side“ setzen den hohen Qualitätsstandard ein wenig niedriger fort, bevor mit dem gelungenen Gothic/Wave-Song „Sacrificed“ die nächste Überraschung folgt. Macht sich trotz des Stilwechsels wirklich gut. „Waiting To Die“ und „Feedin’ The Charlatan“ (mit Leadvocals von Gitarrist Dread) sind dann nicht mehr ganz so stark, als Abschluss gibt’s mit „A Serenade For The Dead“ noch ein Instrumental-Outro.

Besonders hervorzuheben wäre noch die fette Produktion, aus der leider die Snare unangenehm heraussticht. Da die Band selbst die Knöpfchen in der Hand hatte, dürfte Dan Swanö hier maßgeblichen Einfluss gehabt haben.

Alles in allem ein bärenstarkes Album, das bei gleichbleibendem Level (der ersten 4-6 Songs) das Zeug zum Klassiker hätte.

Spearhead24

SOLSTICE – SOLSTICE

November 19, 2006



Wie bereits im Review zu Malevolent Creation’s „Stillborn“ erwähnt, zockten bei dieser Combo aus Miami, Florida (nicht zu verwechseln, es gibt / gab (?) auch eine gleichnamige Band aus Europa) die im gleichen Jahr (1992) auch bei M.C. auftretenden Rob Barrett und Alex Marquez. Und diese Namen bürgen hierbei für Qualität! Geboten wird feinster, hasserfüllter Florida-(Death)-Thrash mit Hardcore-Einflüssen (denen man u. a. mit dem gelungenen Cover von Carnivore’s „S.M.D.“ Tribut zollt). Angetrieben vom Marquez’ unvergleichlichem Drumming (mit dem er auch Resurrection’s „Embalmed Existence“ veredelte) und Barrett’s aggressiven Vocals hauen die Amis der geneigten Hörerschaft neun akkustische Dreschflegel um die Ohren, meist im oberen Tempobereich angesiedelt, allerdings niemals zu stumpf drauflosbolzend, sondern stets mit geschickt eingestreuten Variationen und Moshparts. Tracks wie z. B. „Cleansed of Impurity“ oder „Survival Reaction“ sind Hassgeschosse erster Kajüte. Kein Wunder, wenn man sich die Thanx-Liste der Einflüsse im Booklet betrachtet (u. a. Slayer, Possessed, Exodus, Terrorizer etc.)

Der Sound ist übrigens sehr transparent und (trotz Morrisound und dem Mitwirken von Scott Burns als Engineer) nicht ganz so wuchtig und fett wie die meisten Morrisound-Erzeugnisse aus dieser Zeit. Tut der Gesamtwirkung aber keinen nennenswerten Abbruch. Positiv zu erwähnen wären noch die Lyrics, so kritisiert z. B. „Plasticized“ den würdelosen Umgang mit älteren Menschen und „Cleansed of Impurity“ verarbeitet die Wut über die Zustände, die zu den (damaligen) Unruhen in L. A. führten. Ach ja, die Spielzeit von knapp über einer halben Stunde ist leider nicht sehr üppig ausgefallen („Reign-in-Blood-Syndrom“ ;-) ), andererseits hätte eine längere Spieldauer vielleicht auch negativ auf die vorhandenen Tracks gewirkt (soll heißen, mehr als eine halbe Stunde Gedresche kann auch langweilig werden).

Das 1995 nachfolgende Album „Pray“ fiel dann leider nicht mehr so stark aus, was an Barrett’s Ausscheiden (abgesehen von Gastauftritten bei zwei Songs) gelegen haben könnte.

Wer Malevolent Creation’s „Retribution“ mag, sollte sich diesen Hammer (mit einem, praktisch als Sahnehäubchen, genialen Repka-Cover) gleich daneben stellen! „Get down on your knees, suck it!“ (Cleansed of Impurity)

Spearhead24

Diabolic -Subterraneal Magnitude-

November 19, 2006



Mal wieder eines dieser Alben, bei dem man sich nicht von der Tracklist auf dem Backcover irreleiten lassen sollte. Denn während man nach dem Klavier-Intro von „Vassago“ eigentlich auf einen naheliegenden (d. h. furiosen) Beginn wartet, wird dieser Eingangstrack erst mal unerwartet doomig fortgeführt, und auch hinter dem folgenden „Forewarning“ verbirgt sich ein weiteres (kurzes) Intro. Dann endlich bricht mit Track Nr. 3 die eigentlich erwartete Hölle über den mittlerweile ungeduldig mit den Fingern auf dem Tisch trommelden Hörer herein. Und wie! Mit „Extinction Level Event“ und den folgenden „Failed Extraction“ und „Deadly Deception“ gibt’s drei gnadenlose Death Metal-Bretter um die Ohren, die sich gewaschen haben, ehe es (mit dem Beginn von) „Fleshcraft“ mal eine merkliche (kurze) Verschnaufpause gibt (hält nicht lange!).

Wie bereits angedeutet, gehen Diabolic nur wenn nötig vom Gaspedal, allerdings immer an den richtigen Stellen, so dass es nie eintönig wird. Man führt also den auf „Supreme Evil“ eingeschlagenen Weg konsequent fort, wobei mir „Subterraneal Magnitude“ besser gefällt. Warum eigentlich? Hmm, wahrscheinlich, weil die Mannen um Drum-Tier Aantar „Blastmaster“ Coates (dem gebührt wahrlich dieser Name!) hier einfach die besseren Songs verewigt haben… Von diesen gibt’s übrigens neben den oben genannten noch 5 weitere auf diesem Album, wobei vielleicht „Necromancer Of the Ancient Arts“ noch einen Tick geiler (weil brutaler…) als seine 4 „Kollegen“ rüberkommt.

Wem Hate Eternal und Morbid Angel zusagen, der sollte sich dieses Brett von rasantem Florida Death Metal nicht entgehen lassen!

Spearhead24

Destruction – The Antichrist

November 19, 2006

Standen Destruction beim Erstellen des Vorgänger-Werkes „All Hell Breaks Loose“ noch unter dem Druck, sich nach der langen „Pause“ (d. h. vor der Reunion im 2/3-Classic-LineUp) erstmal wieder beweisen zu müssen, dürfte das bei „The Antichrist“ eine weitgehend entspanntere Angelegenheit geworden sein. Nach diversen gelungenen Comeback-Shows konnten sich Schmier & Co. ihrer Sache bedeutend sicherer sein, und das hat dem Album sichtlich gut getan. Auch wenn manch einer im Nachgang „All Hell…“ herunterspielen mag, war es kein schwaches Album, „The Antichrist“ präsentiert halt eine wesentlich besser eingespielte Band mit verbessertem Songwriting.

Kuriosum an Rande: die Erstauflage von „The Antichrist“ wurde nicht nur mit kackbraunem Pappschuber anstatt schwarzem produziert, sondern auch mit verkehrter Tracklist (so ein Exemplar hab’ ich nämlich). Es eröffnet hier also, nach kurzem Intro, „Dictators Of Cruelty“ (man beachte die Lyrics, die seit der ins Unermessliche gestiegenen Arroganz gewisser US-Politiker an Brisanz gewonnen haben….) und macht vor dem eigentlichen Opener „Thrash ‘Til Death“ (Primitiv-Thrash-Keule, wunderbarer Motto-Song) eine gute Figur. Es folgen weitere acht Klasse-Songs ohne jeglichen Ausfall, von denen eigentlich keiner besonders herausragt, „Nailed To The Cross“ gehörte schon vor der Veröffentlichung des Albums zum Live-Set. Der Knüppel-Fraktion seien „Godfather Of Slander“ und „The Heretic“ ans Herz gelegt. Zum Abschluss gibt’s als Track Nr. 66 (gääähhhn!) ein Remake des wahrscheinlich kultigsten Destruction-Werks „Curse The Gods“ (zieht euch auch mal die Defleshed-Version rein).

Technisch gibt’s, wie zu erwarten war, nix zu meckern, von Meister Tägtgren’s Produktion bis zum spielerischen Können alles optimal. Auch das Album-Cover (angelehnt an „Infernal Overkill“) macht sich sehr gut.

Ach so, es gibt doch noch etwas zu bemängeln: wo ist die Cover-Version von The Exploited’s „Fuck The USA“?! Wurde zwar später anderweitig veröffentlicht, muss hier aber als essentieller Ausstand gewertet werden.

Spearhead24

Paradise Lost -Shades Of God-

November 19, 2006



„Musik aus dem blauen Kellergewölbe“

So in etwa ließe sich der Inhalt dieses Albums vielleicht treffend beschreiben. Zumindest beim Hören solcher dunklen Kunstwerke wie „Crying For Eternity“, „Embraced“, „No Forgiveness“, „Your Hand In Mine“ oder (den in punkto „Hitpotential“ Nachfolger von „Eternal“) „As I Die“ kommen mir unweigerlich solche Bilder in den Sinn. („Keller“ wahrscheinlich wegen des leichten Halls auf Vocals und Drums…)

Als Zwischenstadium zwischen dem Aufsehen erregenden „Gothic“ und dem Durchbruch „Icon“, war „Shades Of God“ so etwas wie eine gelungene Mischung aus Vorgänger und Nachfolger. Trist, düster, überwiegend in mäßigem Tempo gehalten, wesentlich besser produziert als „Gothic“, allerdings auch merklich „kühler“ als „Icon“ und alles in allem eine gelungene Symbiose aus Heavyness und Schwermut.

Die auch hier allgegenwärtigen, melodiösen Leads von Gregor MacIntosh fügen sich ebenso perfekt in die unnachahmliche Atmosphäre dieses (im Vergleich zu den Nachfolgern) ungeschliffenen Meisterwerks ein wie Nick Holmes’ raue Vocals (weniger krächzend als auf „Gothic“) und dessen düstere Lyrics (siehe Kostprobe unten). Trotz der durchgängigen Stimmung ist für Abwechslung gesorgt, in Form von Up-Tempo Parts bzw. Einbringung eines kompletten, fast thrashigen Songs („Pity The Sadness“). (Selbiger wurde ja überflüssigerweise auf dem „Draconian Times“- Album in Form des Plagiats „Once Solemn“ auf peinliche Weise wieder aufgewärmt, leider ein deutliches Indiz, dass man sich damals mangels Ideen an den eigenen Highlights zu bedienen versuchte.)

Auch wenn es damals bereits Videos zu „As I Die“ und „Pity The Sadness“ (!) gab, vermittelt „Shades Of God“ einen Eindruck von Paradise Lost aus der Zeit vor der ungesunden MTV-Präsenz, die der Band spätestens ab „Draconian Times“ mit zum Verhängnis wurde. An dieser Stelle noch ein hochaufgerichteter Stinkefinger für’s kollektive Haareabschneiden!

Dieses Album ist eines dieser wenigen, die einen nahezu perfekten Soundtrack zu den dunkleren Jahreszeiten liefern. Hat mich auch schon durch einige depressive Phasen geleitet, in denen man sich merkwürdigerweise an der Faszination von der mit Tristesse verbundenen Schönheit der Musik wieder ein wenig hochziehen kann… Steht in der Reihe meiner All-Time-Favorites wohl auf ewig unter den ersten zehn.

„Lonely are my Tears of Pain
and I’m Punished by Their Cause
I’ll Rest on My Burning Throne
A Release I Move Towards is Eternal Sleep“
(Crying For Eternity)

Spearhead24