
Anfang der 90er waren Sepultura noch die größte Hoffnung im Bereich Thrash- und Death-Metal, doch mit den Alben „Chaos A. D.“
und „Roots“ entfernte man sich rapide vom Stil der Klassiker „Beneath The Remains“ und „Arise“ – folgerichtig habe ich seit
„Roots“ kein Sepultura-Album mehr in Händen und Ohren gehabt. Der Stachel über den Verlust der einstigen Lichtgestalten
sitzt noch immer tief… aber mit diesem erheblichen Abstand bietet sich eigentlich auch eine recht gute Basis, um eher
unvoreingenommen an das nunmehr elfte Studioalbum heranzugehen.
Nachdem beim vorangegangenen Album noch Dantes „Göttliche Komödie“ herhalten musste, nahmen sich die nun völlig Cavalera-losen
Brasilianer (es trommelt Jean Dollabella) Anthony Burgess’ Klassiker „A Clockwork Orange“ als Vorlage für ein weiteres
Konzeptalbum. Unabhängig vom Stil der einzelnen Songs würde ich insgesamt sagen, die Umsetzung ist gelungen. Ob High-Speed-Gebolze
(„Moloko Mesto“ – fast so heftig wie der „Arise“-Titeltrack),
Groove-Metal („Conform“), eher schleppende („We’ve Lost You“ – Highlight!) oder gar fast todesbleierne Einlagen („Forceful Behaviour“)
- „A-lex“ verbreitet als Gesamtwerk stets eine Stimmung zwischen Beklemmung und Raserei, mit treffendem Bezug auf die lyrische Vorlage.
Dürfte quasi sowas wie ein Potpourri aus den verschiedenen Stilrichtungen der Sepultura-Karriere sein, wenn man mal die rumpeligen Anfangstage
auslässt. Nicht jeder der 13 Songs (zzgl. den 5 Intros/Intermezzi „A-lex I – IV“ und „Ludwig Van“) trifft den Nagel auf den Kopf,
aber wenn die Aussage stimmt, dass „A-lex“ ein Produkt von dreimonatigen Studio-Jams ist, muss man wohl oder übel den Hut ziehen. Mission accomplished!
SepulFans dürfen also getrost zugreifen, Skeptikern empfehle ich eher mal, in die genannten Songs reinzuhören.
Spearhead24